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Was gut ist, kommt wieder. So holt uns der Trend der 1970er Jahre, wie dieses Jahr auf
der Tendence in Frankfurt beobachtet, mit seinen Muster und Dekoren wieder ein. Was gut ist, bleibt. So eine Tätowierung - sowohl aus den 1970er Jahren als auch die Jahre davor und danach. |
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Tätowieren ist kein Trend, auch wenn es in der Öffentlichkeit
manchmal so erscheinen mag. Schließlich ist doch fast jeder tätowiert. Ein Blick in Schwimmbäder
und an Badeseen mag diese These bestätigen, zumindest was die Quantität, sprich die Anzahl
der dort zu sehenden Tätowierungen betrifft. In den späten 1970ern genügte das Präsentieren eines ausreichend großen Motives auf dem Oberarm, um mancherortens ein mittelschweres Menschenbeben hervorzurufen. Was "damals" wohl meist auch der Absicht des Trägers entsprach. Mit seiner Tätowierung wollte man etwas sagen, aussagen, ausdrücken, zum Ausdruck bringen. Ein Zeichen setzen. Sich und anderen. Sich abgrenzen und zugehörig fühlen. Unabhängig davon, ob man sich zu Gruppierungen jedweder Art bekannte oder individuellere Ausprägungsformen bevorzugte, die eigene Tätowierung war vor allem eine persönliche Aussage. Für manch einen wurde sie eine Art zu leben (M.M.T.). Und für wenige wurde sie zum Beruf, zur Profession. |
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Im Jahr 1978, als ich zum ersten Mal mit dem Thema Tätowierungen in Berührung kam, gab es weder deutsche Tattoo-Zeitschriften noch sogenannte Conventions in Deutschland. Von Internet ganz zu schweigen. Keine Informationsmöglichkeiten, wie sie heute hinlänglich bekannt sind. |
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| Es gab also nur einen Weg: direkt zum Tätowierer. Und wo waren sie, diese Tätowierer? Ihre Studios fanden sich überwiegend in größeren Städten. In meiner näheren Umgebung im Rhein-Main-Gebiet begegnete ich einem Tätowierer, der als eigenwilliges Unikum bekannt war. Die Motivauswahl war eine Sache des Augenblickes, des Momentes . Spontan. Jetzt. Und so wurde meine erste Tätowierung ein Skorpion auf dem Oberarm. Diese "Einseitigkeit" sollte nicht lange währen. Der Adler mit Schlange, der schon bald den anderen Oberarm zierte, war natürlich deutlich größer als das Premierenstück. Nun war erst mal gut. Oder? |
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Die grellen, bunten, polarisierenden 70er gingen über in die vom Discolicht umflirrten 80er Jahre.
Die Tätowierungen blieben. Und bei manchen kam immer wieder eines dazu - eine Art Dokumentation
der persönlichen Geschichte, die sich in Symbolen ausdrückt. Ob es einem bewusst ist
oder nicht. Nach meiner Lehre hatte ich die Ehre, meinen Dienst am Vaterland ableisten zu dürfen. Im Anschluß daran arbeitete ich wieder in meinem Lehrbetrieb. Ein Anfall von Ehrgeiz erfasste mich und ich glaubte, meinen Fachoberschulabschluß nachmachen zu wollen. Um danach ich-weiss-nicht-was zu studieren. |
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| Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Durch einen berühmten Zufall lernte ich Tommy kennen, einen Tätowierer aus Hamburg. Gemeinsam zogen wir in den Hunsrück. Tommy eröffnete dort sein Tattoo Studio in der Nähe einer amerikanischen Militärbasis. Aufgrund meiner vorherigen Ausbildung war ich von einigen S chulstunden befreit, was mir eine Menge Zeit ließ. Und so schaute ich Tommy beim Tätowieren zu. Oft. Immer wieder. So oft, bis ich eines Tages die Tätowiermaschine zum ersten Mal selbst in der Hand hielt. |
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Und so war ich plötzlich in einer ganz anderen Ausbildung. Ich lernte tätowieren.
Um hier nun einmal eines der hartnäckigen Gerüchte rund ums Thema tätowieren zu widerlegen:
man beginnt nicht auf Schweinehaut. Und wenn schon, das Schwein ist tot. Der Mensch vor dir hingegen wirkt
reichlich lebendig. Schnell lernte ich die Grundregeln des Tätowierens: Jeder Fall ist ein "Ernstfall" - von Anfang an. Du gibst immer dein Bestes. Es muss passen - jetzt. Es gibt keinen zweiten Versuch. Eine aufregende Erfahrung. Besonders um die Zeit des "Pay Day" der Amerikaner konnte ich meine Belastbarkeit auf allen Ebenen unter Beweis stellen. Von Tommy bekam ich meine erste Tätowiermaschine. |
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| Da die Welt im Hunsrück nicht für jeden zu Ende ist, zog es uns zurück ins Rhein-Main-Gebiet. Tommy kannte den Alf Diamond (Künstlername) aus Großbritannien, ebenfalls ein professioneller Tätowierer, schon länger. Gemeinsam eröffneten sie 1980 ihr Tätowierstudio in Frankfurt-Rödelheim. So kam es, dass auch ich in Frankfurt arbeitete und entwickelte meine Tätowiertechnik unter Alf´s Regie weiter. Zudem lernte ich hier in Frankfurt ganz andere Menschen, die sich tätowieren ließen, kennen. |
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Manchmal war ich auch in Toby´s Stuttgarter Tätowierstudio und arbeitete dort. Heute nennt
man das wohl "Gasttätowierer". Von Toby bekam ich eine seiner selbstgebauten Tätowiermaschinen,
die heute noch im Einsatz ist. Zwischendurch flog ich hin und wieder nach USA zu "Doc" , der Inhaber von "Fay´s Tattoo Studio" in der 3. Generation in St. Leonardwood, Missouri. Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Und so konnte ich auch von Doc einiges lernen. Eines lernte ich schnell: dass man es in der Neuen Welt beim Tätowieren längst nicht so schnell untwerwegs war wie bei uns auf dem alten Kontinent. Schließlich hatte ich eine Menge von dem flotten Briten gelernt. Tagsüber tätowierten wir und abends feierten wir. Wenn es eine Convention in der Nähe gab, fuhren wir dort hin. Nähe ist in USA im Vergleich zu unseren geographischen Gegebenheiten ein relativer Begriff und konnte sich durchaus auf einige hundert Meilen beziehen. |
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Tattoo Conventions in USA fanden in der Regel in einem Hotel statt. Da die Anreise für viele
etwas länger ist, mieten sich nicht nur die Tätowierer, sondern auch ein Großteil des Publikums in
diesem Hotel ein. In einem angemieteten Saal befinden sich die Stände der Tätowierer. Es war
natürlich angenehm, ein Zimmer in Reichweite zu haben, so dass die Party ein ganzes Wochenende dauern konnte.
Ohne Randale, ohne Streß, ohne große Show - just for fun, einfach zum Spaß. So konnte ich auf meinen USA-Reisen
das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Bis 1984 war eine turbulente Zeit, in der ich viel erlebt, gesehen und gelernt hatte. Über das Tätowieren, aber auch über die Welt und ihre Menschen. Alf war nicht nur Tätowierer, er war auch Geschäftsmann und hatte weitergehende Ambitionen. Nachdem er mit dem Studio von Frankfurt-Rödelheim nach Frankfurt- Sachsenhausen umgezogen war, rief er die "Frankfurt Tattoo Association", kurz F.T.A. , ins Leben. Die Idee war im ersten Schritt, in deutschen Städten mit einer amerikanischen Militärbasis F.T.A. Studios zu etablieren als eine Art Markenzeichen für professionelles Tätowieren. F.T.A. war kein Verein, sondern eine Geschäftsidee. |
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| Im Jahr 1984 kam es so zur Eröffnung des 1. Tätowierstudios in Aschaffenburg in der Würzburgerstraße 94. Weitere F.T.A. Studios waren in Kaiserslautern und später in Gießen. Für jedes Studio fand Alf einen professionellen Tätowierer. In Aschaffenburg übernahm ich diese Aufgabe. Wie erwartet und erhofft war der Anteil des amerikanischen Publikums in den ersten Jahren sehr hoch. Im ersten Jahr war Tommy oft in Aschaffenburg und unterstützte mich in den Hochzeiten. |
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Unter die Soldaten mischte sich nach und nach deutsches Publikum. Ende der 1980er Jahre zeichnete sich ab, dass
eine weitere Expansion der F.T.A. Kette nicht in Sicht war. Es gab zu wenige professionelle Tätowierer, die
die von F.T.A. festgelegten Qualitätsmerkmale erbringen konnten und zudem in der Lage waren,
ein Geschäft zu führen. Das führte letztlich zur Übernahme und Umfirmierung in "Tattoo You by Mike" .
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Das Publikum wurde insgesamt vielfältiger, und Anfang der 1990er Jahre kamen die ersten deutschen Titel
internationaler Tätowierzeitschriften auf den Markt und es fanden die ersten von einer breiteren
Öffentlichkeit wahrgenommenen Conventions statt. Einige dieser Veranstaltungen besuchte ich im Laufe
der Jahre und konnte mich mit dem messeartigen Ablauf nicht anfreunden. Im Laufe der 1990er Jahre wurden Tätowierungen gesellschaftsfähig-er. Der Hauch des Anrüchigen verblasste, wenn er auch nicht verschwand. Es gab keine "Ziel"gruppen mehr, die Klischees bedienten. Vom Rocker bis zum Beamten reichte das Spektrum des Publikums. Und über manch einen Bankangestellten würde man sich sicher wundern … |
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Motive fanden sich mittlerweile überall und so wurde und wird mitgebracht, verändert, kopiert und gezeichnet. Bis es passt. Wesentlich ist, dass der Tätowierer neben seinen handwerklichen Fähigkeiten in der Lage ist, sich das Motiv bzw. die Vorstellung, die der Kunde davon hat, aus dessen Blickwinkel vorzustellen und umzusetzen. Persönliche Fähigkeiten, die in diesem Prozeß zwischen Tätowierer und dem zu Tätowierenden hilfreich sind, sind Kreativität und Einfühlungsvermögen. Beispielsweise können Motive, die auf Papier toll aussehen, wenn sie eins zu eins auf die Haut "kopiert" werden, reichlich farblos wirken. Hier gilt es zu überlegen, wie das Motiv optimal als Tätowierung realisiert werden kann. Bisher hat sich immer eine Lösung gefunden. Wie in unserer Galerie zu sehen. |
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Eine Sache, die es wohl seit Anbeginn des westlichen Tätowierens gibt, sind die
Überdeckungen (Cover ups) aus verschiedensten Gründen: man mag das Motiv
nicht mehr, der Name der Liebsten ist nicht mehr aktuell, die Qualität ist schlecht oder nach einer
sogenannten Entfernung sind hässliche Narben vorhanden. Es ist nicht verwunderlich, dass ich in den
letzten Jahren zunehmend auch Nachfrage nach solchen Überdeckungen habe. In manchen Fällen schien
dies auf den ersten Blick kaum vorstellbar. Einige eindrückliche Beispiele dieser Art von
Tätowierungen finden sich hier. "Lösungsorientierte Vorstellungskraft" in Verbindung mit technischem Geschick hilft auch hier weiter. |
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Wie man diesen Erzählungen entnehmen kann, hat sich das Anforderungsprofil an einen selbstständig arbeitenden professionellen Tätowierer verändert. Ein guter Tätowierer zu sein reicht nicht aus. Neben den grundlegenden technischen Fertigkeiten des Handwerkes an sich und ausreichend kaufmännischen Kenntnissen ist es wesentlich, eine Verbindung zum "Kunden" herzustellen. Es ist notwendig, seine Bedürfnisse und Vorstellungen nachzeichnen zu können und diese in seine persönliche Tätowierung umzusetzen. | |
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So bleiben diese Vorstellungen ein Menschenleben lang in Form eines Bildes auf der Haut erhalten und
prägen die Geschichte des Trägers. Und auch die der Person des Tätowierers, der mitgeholfen hat an dem entscheidenden Akt, dieses Zeichen, dieses Symbol in die materielle Wirklichkeit zu rufen. Das bedeutet, immer, jetzt, im Augenblick mit dem Menschen dir gegenüber in Kontakt, in Beziehung zu kommen. In jedem einzelnen Fall. Sich ganz auf das konzentrieren, was jetzt ist. Bis es dir im wahrsten Sinne unter die Haut geht. Das ist der Moment, der sich in 25 Jahren nicht verändert hat. Der Moment, wenn sich die Nadeln ihren Weg in die Haut suchen und nach und nach dieses Bild entsteht - einzigartig, einmalig, jetzt. |