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Im Jahr 1882 – etwas mehr als einhundert Jahre, nachdem James Cook Tätowierungen mit in die westliche Welt gebracht
hatte - konnte ein großes Publikum Nora Hildebrand (* ca. 1860) in Bunnell´s Museum in New York bewundern.
Ihr Schmuck waren 365 Tätowierungen, die ihren ganzen Körper bedeckten. Zur gleichen Zeit reiste
"La Belle Irene" Woodward (1862-1915) – "the first and only tattooed lady" (New York Clipper) -
durch Europa und präsentierte ihren vollständig tätowierten Körper dem europäischen Adel. Es gibt
Schätzungen, die besagen, dass zu jener Zeit ungefähr 75 Prozent der sogenannten besseren Gesellschaft mit Tätowierungen
verziert waren. Ein prominentes Beispiel ist Jenny Churchhill (1854-1921) mit einer Schlange am Handgelenk. Es geht
gar das Gerücht, dass Queen Victoria (1819-1901) einen bengalischen Tiger im Kampf mit einer Python,
tätowiert von Albert South, trug. Im viktorianischen Zeitalter konnte also so manches unter züchtiger Kleidung
verborgen werden.

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Die beiden "Tattooed Ladies" Hildebrand und Woodward stehen am Beginn einer Reihe tätowierter Frauen, die
ihre "Haut zu Markte" trugen. Mit ihren tätowierten Körpern verdienten sich viele mehr als einen
Lebensunterhalt. Im Sommer reisten sie mit den großen Zirkus-Veranstaltern durch USA oder Europa, im Winter traten sie in Museen auf.
Ihre Motivation hatte wohl mit heutzutage gerne romantisiert-verklärten Vorstellungen vom nomadisierenden Zirkusleben wenig
zu tun, sondern einen sehr eingängigen und simplen Grund: Ganzkörpertätowierte wurden für ihre Vorstellungen
außerordentlich gut bezahlt. Verdiente ein Lehrer noch keine 10 Dollar in der Woche, konnte es ein Profi im Zirkus auf bis zu
150 Dollar in der Woche bringen.

Tätowierte Damen hatten im Zirkus ihren Auftritt im Rahmen der sogenannten "Freak-Show". Inmitten von menschlichen
Abnormitäten und Kuriositäten übten sie im prüden, viktorianischen Zeitalter noch einen zusätzlichen
Reiz aus: Tätowierungen am ganzen Körper zu zeigen, erforderte, dass ein großer Teil der Haut unbedeckt, sprich:
nackt, blieb. Hinzu kamen die mehr oder weniger erfundenen Lebensgeschichten, die der Unterhaltung des Publikums dienten.
So wurde ihr exotischer Auftritt zu einer Peep-Show innerhalb der Freak-Show. Um das Vergnügen in lebhafter Erinnerung
zu behalten, verkauften sie dem Publikum ihre "carte de visite" oder, im größeren Format, ein "cabinet
photograph".

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Die meisten dieser Frauen ließen sich von ihren Männern tätowieren. Die nackte Haut als Leinwand wurde mit Blumen,
floralen Mustern und gerne auch mit religiösen Motiven oder berühmten Staatsmännern geschmückt. Manch einer
wurde ein bekannter Tätowierer, wie zum Beispiel Charles "Red" Gibbons, der Mann von Artoria Gibbons.
Und in den 1930er Jahren präsentierte sich eine unabhängige Betty Broadbent.

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Grundsätzlich wurden Hände, Hals und Gesicht nicht tätowiert. Einige der Damen traten bis ins hohe Alter auf und
konfrontierten ihre Umwelt immer wieder mit ihrer menschlichen Leinwand und ihrer eigenen Unabhängigkeit.
Vieles mag sich über die Jahrzehnte verändert haben. Auch heute konfrontieren ganzkörpertätowierte Frauen
ihre Umgebung auf eine besondere Art. Denn, "um wirklich ein ´Freak´zu werden, bedarf es eines starken Charakters und einer
außergewöhnlichen Entschlossenheit", sagte George Burchett in seinen "Memoirs of a Tattooist".

Galerie tätowierter Damen
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